Käthe-Kollwitz-Schule Darmstadt
Eine Grundschule aus den 1970er Jahren sollte um 5 Klassenzimmer und einige Nebenräume erweitert werden. Das bestehende Gebäude ist mit Betonfertigteilen gebaut worden und heute, nach einigen Umbaumaßnahmen im Inneren, noch in gutem Zustand. Der robuste Charakter der Detailierung und der einfache Grundriss mit Klassenräumen, die sich um ein gedecktes Atrium gruppieren, erweist sich auch nach Jahren als sehr brauchbar für eine Schulhausnutzung.
Da der Erweiterungsbau nicht größer als der Bestand und die Nutzung identisch ist, wurde das bestehende Sichtbeton-Schulhaus „sinngemäß weitergebaut“, d.h. Materialien und Farben wurden aufgegriffen und in Konstruktion und Gestaltung zeitgemäß weiterentwickelt. Dieser Ansatz eines „70er-Jahre-Relaunches“ wird in den großflächigen Wandbemalungen des Künstlers Florian Baudrexel weitergetragen und verstärkt.
Setzt man sich mit den Bauweisen von Gebäuden und den Umständen in ihrer jeweiligen Entstehungszeit auseinander, stellt man fest, dass die Anforderungen an die Gebäudehülle einen grundsätzlichen Wandel durchgemacht haben. Es ist heute nicht mehr ohne weiteres möglich, so unbefangen wie dies in den 1970er Jahren noch der Fall war, Betonbauteile gleichermaßen als tragende und umschließende Elemente einzusetzen.
Dies führt bei der Schulerweiterung dazu, dass die neuen Betonfertigteile nur noch als tragendes Rahmengerüst fungieren, in das ein Baukörper aus Holz und Glas eingestellt ist. Ein homogener Wandaufbau, wie dies im Bestand noch weitgehend der Fall ist, ist heute nicht mehr möglich. Aber anstatt ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) oder eine „unsichtbare“ Kerndämmung des Betons zu verwenden, werden Tragen und Begrenzen auseinander gezogen und in ihren jeweiligen Eigenarten entwickelt, wobei ein besonderer architektonische Reiz in der Ausbildung der Zwischenzonen liegt (Loggia, Außen-Treppenraum , gläserne Brücke zum Altbau, usw.).
Auch die Farbgebung bezieht sich, gem. dem oben beschrieben architektonischen Ansatz, kommentierend auf die Vorgaben aus den 1970er Jahren:
Als damals die vielen Betonfertigteilbauten als zu trist empfunden wurden, versuchte man dies mit dem Einsatz von Farbe zu korrigieren. Typisch für die Zeit sind Grüntöne, insbesondere Olivgrün, und das allgegenwärtige Orange. Beide Farben werden beim Erweiterungsbau im Foyerbereich verwendet, allerdings in einer frischeren und weniger abgetönten Form, als vor 30 Jahren.

Standort:
Koblenzer Str. 8, 64293 Darmstadt

Fertigstellung: 2004

Bauherr:
Wissenschaftsstadt Darmstadt

Der Künstler Florian Baudrexel entwickelte aus der Erinnerung an die visuelle Welt des Kindes in den 70er Jahren und an das damals sehr beliebte Malspielzeug „Spirograph“ die Konzeption für sein Kunstprojekt und die Farbgestaltung. Ausschnitte einer spirographischen Linienzeichnung, jedoch im Maßstab extrem vergrößert und geschossübergreifend aufgetragen, bilden das Motiv für die Gestaltung der Flurwand, die im Inneren als grüne Leitwand fungiert und von außen die Ansicht vom Schulhof aus beherrscht.

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Ihr gegenüber, und damit nur von innen sichtbar, wurden vom Künstler mit übergroßen, selbst konstruierten Spirographen vor Ort vielfarbige dynamische Linienzeichnungen direkt auf die Wänden aufgetragen. Es ist eine Farbgestaltung entstanden, die sich auf subtile Weise mit der Bauaufgabe Schule, der visuellen Welt des Kindes und einer kritischen Auseinandersetzung mit den bisher eher verschmähten Architekturen aus der unmittelbaren Vergangenheit auseinandersetzt.

Informationen zum Künstler: www.florianbaudrexel.com